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Yoga in der Natur

Seminare

                  

Rückblicke und Ausblicke

 

20.April 2024

Die Gestaltung einer Yogaübung und der Sinneswahrnehmung unter Hinzunahme eines führenden Gedankens. 

Ablauf:

Start 10:00

10:00 - 13:15 Einführung, āsanas, Konzentrationsübungen

13:30 - 14:30 Mittagessen und Pause 

14:30 - 16:30 Wanderung mit Naturbetrachtung

16:30 -17:30 Reflexion 

(Änderungen im Ablauf sind möglich)

Die bewusste Gestaltung einer Sache, sei es eine Konzentrationsübung, ein Gespräch oder eine kreative Arbeit geht von einem oder von mehreren Gedanken aus. Jeder kennt diese Erfahrung, wir sind es nur nicht gewohnt dies gezielt anzuwenden. 

Legen wir keine bewusste Führung bspw. in ein Gespräch oder in eine Arbeit entgleitet diese oft und wir sind mit dem Ergebnis hinterher nicht zufrieden. Es lohnt sich daher, sich vorher ein paar Gedanken zu machen und diese während der Aktivität im Bewusstsein zu halten und als eine Art Führungsinstanz zu nehmen. 

In den Yogaāsanas (die Körperübungen im Yoga) machen wir dies unmittelbar. Ein konkreter Gedanke wird in die körperliche Ausführung hineingeführt und auch in anstrengenden Phasen des Übens aufrecht erhalten. Die körperliche Bedingungen weichen dadurch zurück. Die Übung wird leichter, freier und schöner. Man kann sagen, der Gedanke selber entsteht und wird über den Körper zum Ausdruck gebracht. 

Wir werden an diesem Tag relativ intensiv die āsanas üben, dabei aber körperlich anspruchsvollere Stellungen und leichtere Übungen in einem sinnvollen Maß auf einander abstimmen. 

Auch in der Begegnung mit der Natur können wir die Gedankenführung und die daraus resultierende Sinneslenkung gut üben. Oft schweifen die Sinne ungezielt umher, wenn wir uns draußen aufhalten und wir bemerken gar nicht so richtig was wir wahrnehmen. 

Nehmen wir aber eine Leitgedanken hinzu, bemerken wir das wir viel deutlicher wirklich wahrnehmen was wir sehen. 

So kann man bspw. auf die Verhältnisse einzelner Naturerscheinungen untereinander achten.

Wie stehen die einzelnen Objekte zu einander in Beziehung? Tritt das Einzelnen individuell für sich stehend hervor und wirkt doch mit den anderen harmonisch verbunden? Oder steht jedes mehr isoliert ohne eine rechte Beziehung zum anderen einzugehen. 

Eine weitere Möglichkeit wäre es auf das Licht und Schattenspiel in der Natur zu achten. Oder darauf ob die einzelnen Naturerscheinungen klar in ihren Formen und Konturen hervortreten oder ob sie wie verwaschen wirken. 

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten sich der Natur anzunähern.Wichtig ist es aber sich auf einen Gedanken zu konzentrieren und diesen wiederholt für einige Momente in die Betrachtung zu nehmen. 

Interessanterweise verstärkt der Mensch der sich auf diese Art der Natur hinwendet den Gedanken den er denkt. Mit ein wenig Übung, wenn die Sinne sensibler und feiner werden, kann man bemerken, dass die einzelnen Erscheinungen auf einmal harmonischer verbunden wirken wie zuvor. Oder die Formen klarer werden, mehr Kontur gewinnen.

Der Mensch ist unmittelbar erzeugend tätig, er erschafft Kräfte oder verstärkt Kräfte, erweckt diese zum Leben. Die Natur will wahrgenommen werden und in dem der Mensch dies tut reagiert sie darauf. 

Wir werden gemeinsam eine kleine Wanderung zu der Quelle der Lauter unternehmen.

Diese liegt nicht weit vom Seminarort entfernt an einem ehemaligen Kloster. Die Menschen früher hatten oft einen natürlichen Sinn für die Kräfte der Natur und haben sich häufig an Orten niedergelassen wo diese besonders stark waren. 

An diesem auch heute noch besonderem Ort, widmen wir uns der Betrachtung und Wahrnehmung des Wassers und seiner charakteristischen Bewegung.

Wer möchte kann dies auch mit einem kurzen Tauchbad intensivieren. Das Wasser ist frisch und gleichbleibend 8 Grad kalt. Die Kälte und die Berührung des Wassers an der Haut bewusst zu erleben erweckt die Lebensgeister und die Sinne aufs schönste. Dazu ein Handtuch und ggf. Badesachen mitbringen. 

Nach unserer Rückkehr zum Seminarraum werden wir den Tag mit Tee und einer kurzen Reflexionsrunde beschliessen. 

Macht das Wetter nicht mit, fällt die Wanderung unter Umständen aus und wir werden anderweitig die Zeit nutzen. Bei leichten Regen wandern wir aber auf jeden Fall. Bitte bringt entsprechende Kleidung mit. 

Der Kälte und dem Element des Wassers mit wachen Sinnen für einige kurze Zeit gegenüber treten. 
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Das Wasser der Lauter tritt hier an einigen Stellen aus dem Fels hervor und sammelt sich zunächst in einem Becken

Im letzten Seminar haben wir uns mit dem Thema beschäftigt, wie Lebenskräfte aufgebaut werden können. Sehr schnell wurde deutlich, dass dafür vor allem das menschliche Selbst wesentlich ist.

Eine Aktivität ohne Selbst führt zu einer Erschöpfung, vor allem wenn ein Mensch dies dauerhaft leisten muss.

In einem Tafelbild haben wir gemeinsam erarbeitet wie eine Aktivität ohne Selbst und wie eine Aktivität mit Selbst jeweils zu ckaraktisieren ist. Ich denke es ist gut nachvollziehbar, dass eine Tätigkeit die der Mensch mit dem Gefühl der Fremdbestimmung ausführt, auf Dauer zu Erschöpfung, Kraftverlust und einem Abbau der Lebenskräfte führt.

Auf der anderen Seite, zum Aufbau von Lebenskräften, ist eine sinnvolle Aktivität notwendig.

Diese bringt dem Menschen Freude und Bewegtheit. Sie entsteht in Freiheit, das heisst auch in einer eigenständigen Entscheidung und damit Verantwortung und führt somit in eine größere Freiheit hinein.

Interessant war auch, dass das gebende Prinzip als ein wesentlicher Faktor für eine sinnvolle Aktivität genannt wurde. Damit wurde deutlich, dass sinnvoll über den eigenen, persönlichen Nutzgewinn hinausgeht. Sinnvoll erscheint eine Tätigkeit dann, wenn sie in einen größeren Zusammenhang gebracht werden kann. Das gebende Prinzip kann auch dahingend verstanden werden, dass im Falle einer Übung nicht das von Bedeutung ist was ich persönlich von einer Übung habe (weniger Rückenschmerzen etc.). Sondern vielmehr das was ich in eine Übung hineinlege, stellt den eigentlichen Wert und die aufbauende Tätigkeit dar. Erst wenn der Mensch etwas hineinlegt wird er wirklich gestaltet tätig.

Das schöpferische Selbst des Menschen steht in der Mitte des Tafelbildes. Schöpferisch heisst, etwas erschaffen was vorher nicht da war. Etwas Neues kreieren, mit dem man Selbst in Verbindung steht.

Dass der Mensch dabei Kräfte freisetzt, die sowohl ihm selbst als auch seiner Umgebung zur Verfügung stehen, erscheint mir sehr logisch zu sein.

 

Aufbau von Lebenskräften

Aktivität, schöpferisch, Freude
sinnvoll             Freiheit, Bewegtheit
das gebende Prinzip                         

etwas schaffen, was vorher nicht da war

Rhytmus
           Balance

das Selbst/schöpferisch

erschöpfende Aktivität - ohne Selbst
Fremdbestimmt

Kraftlosigkeit/Erschöpfung

Nun ist es nicht immer ganz leicht und schon gar nicht "Selbst-Verständlich" die Aktivitäten so zu gestalten, dass etwas Neues entsehen kann. Allzu oft verschlucken die Routine und die Anforderungen des Alltags die guten Vorsätze. Die Selbstkraft des Menschen und damit seine Fähigkeit eine Aktivität wirklich zu führen, damit neue Kräfte entsehen können, bedarf eines gezielten Trainings.

Wie kann nun die Selbst-und Führungskraft gezielt gefördert werden?

Eine Möglichkeit ist die Entwicklung von projektionsfreien Wahrnehmungsvorgängen. Richten wir die Sinne auf die Außenwelt, sind oft ganz automatisch Assoziationen und Projektionen persönlicher Natur in die Wahrnehmung hineingemischt. Bemühen wir uns aber um eine freie Wahrnehmung, merken wir dass die eigenen automatischen Impulskräfte zurückgehalten werden müssen.

In der Philosophie des Raja Yoga wird dieser Vorgang mit pratyahara bezeichnet. Der Rückzug, oder vielmehr die sinnvolle Lenkung und Führung des Sinnesprozesses ist ein ausserordentlich wertvoller Vorgang. Für die sinnvoll geführte Wahrnehmung braucht es aber einen Gedanken. Erst einmal klingt es paradox. Die Wahrnehmung soll frei sein, braucht aber einen Gedanken. Betrachten wir ohne einen Gedanken die Außenwelt, werden wir Projektionen die aus dem bisherigen Bekannten aufsteigen, nicht zurückhalten können. Daher ist ein logischer, sinnvoller und objektiver Gedanke notwendig, der der Wahrnehmung als Führung und Orientierung dient.

Die Selbstkraft erhält durch die erforderliche Ausdauer, mentale Spannkraft, Unterscheidungsfähigkeit und Beobachtungsfähigkeit mit dieser Arbeit eine wunderbare Förderung. Gleichzeitig wird auch das Objekt der Wahrnehmung wie befreit und schenkt eine sensible, sich öffnende Wahrnehmung.

Im nächsten Seminar werden wir uns mit der Gestaltung einer Yogaāsana und der Sinneswahrnehmung unter Hinzunahme eines führenden Gedankens ausführlicher beschäftigen.

Ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit.

Ein Zusammenhang von dieser Bewusstseinstätigkeit und dem Immunsystem ist auch in dem Artikel Stärkung des Immunsystems durch das Bewusstsein auf dieser Seite beschrieben.

 

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